Mit App gegen Barrieren

Brunnenviertel Barrieren Aktionsfonds AppMan braucht keine App auf dem Smartphone, um ein Held oder gar ein Brunnenheld zu werden. Aber eine App kann hilfreich sein, um zu erkennen, wo man überhaupt eine alltägliche Heldentat verbringen könnte. Zum Beispiel an der Bushaltestelle! Ein aus dem Aktionsfonds gefördertes Projekt mit dem Titel "Barrieren begrenzen" macht auf kleine alltägliche Hindernisse aufmerksam.

Bei einem Rundgang durch das Brunnenvietel zeigten junge Leute am Freitag, 8. Juni, wo sie Barrieren im Kiez entdeckt haben und wie es möglich ist diese mit der Technik "Augmented Reality" zu vermindern.

Augmented Reality ist für Prof. Dr. Jan-Henning Raff, dem Leiter des Projektes "Barrieren begrenzen", und seinen Studenten ein geläufiger Begriff. Wortlich übersetzt, bedeutet es: Erweiterte Wirklichkeit. Gemeint ist damit, zusätzliche Informationen zur vorhandenen Umgebung abzurufen. Ein Beispiel: Man steht in der Hussitenstraße 6 vor einem glänzenden Stolperstein und liest den Namen Finkelstein. Möchte man mehr über das Leben dieses Menschen wissen, kann man nun mit seinem Smartphone, auf dem die App Layar und OnVert installiert ist, den Stolperstein anpeilen und erhält dann umgehend Fotos, Texte und Berichte über den ermordeten Weddinger Juden Finkelstein. "Wir tun etwas zur Realität hinzu", erkärt Jan-Henning Raff.

Nach diesem Prinzip wurden im Brunnenviertel 15 Orte ausfindig gemacht, an denen sich Barrieren überwinden lassen. Zum Beispiel gibt es eine Treppe zum Park am Nordbahnhof, die aus Gründen des Denkmalschutzes für ältere Menschen nicht ideal ist, aber mit ein wenig nachbarschaftlicher Hilfe überwindbar ist. So einfach kann man Held werden. Entsprechende Denkanstöße geben Tafeln und Folien an der Treppe. Und mit dem Smartphone erhält man noch weitere Winke. "Wir wollten erreichen, dass die Menschen auf die Idee kommen, einander zu helfen", erklärt der junge Mann, der bei diesen Ort virtuell per App und real mit schwarzen Folien eingegriffen hat.

Am auffälligsten sind die Klebefolien auf der Hussitenstraße an der Querungshilfe zum Gartenplatz. Mit einem Satz wird erklärt, warum die abgesenkten, weißen Steine für Menschen mit schwachen Sehvermögen wichtig sind. Und es wird auf die App verwiesen. Erster Schritt: Herunterladen. Zweiter Schritt: Gelbes Quadrat anpeilen. Dritter Schritt: Mehr erfahren.

Seit April 2015 haben die Studierenden der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in der Ackerstraße sich mit Barrieren im Kiez auseinandergesetzt und Informationen fürs Smartphone aufbereitet und zum Herunterladen bereitgestellt.

Das Projekt "Barrieren begrenzen" wurde aus dem Aktionsfonds mit Mitteln der Sozialen Stadt gefördert.

Weitere Fotos von Rundgang sind auch ohne Anmeldung bei Facebook zu sehen und auf YouTube gibt es einen kurzen Film.

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10.06.2015

Text und Fotos: Andrei Schnell