Gratulation zum 90. Geburtstag

Theodor CzernowskiTheodor Czernowski feierte am 17. Juli in der Seniorenwohnanlage Sophia in der Ackerstraße seinen 90. Geburtstag. Nachträglich gratuliert das Quartiersmanagement dem Jubilar ganz herzlich. Bei einem Besuch im Sommer erzählte Czernowski aus seinem interessanten Leben. Er begrüßte den Kiezreporter mit einem spitzbübischen Lächeln.

Dieser Mann besitzt Humor. Es ist zu spüren, dieser Mann kann einfach nicht anders, er muss einfach einen Witz machen. Es ist ein angenehmes Interview. Auch für Theodor Czernowski, er amüsiert sich gut. Sein bester Freund, der zum Interview mit ins Zimmer gekommen, lächelt eher traurig: "Noch vor ein paar Monaten hat er mich so gut verstanden", seufzt er, "aber er will einfach keine Hörgeräte benutzen." Und auch die Fähigkeit des 90-jährigen, sich zu erinnern, macht den Freund zu schaffen. "Aber Du hast mir doch immer erzählt ...", versucht er immer wieder einen roten Faden in die losen Erinnerungen zu bringen.

Theodor Czernwowski weicht direkten Fragen aus. Er will nicht ertappt werden, sich nicht mehr so genau zu erinnern. Dafür erzählt, dass er im Schach alle besiegen würde. Und das freut ihn sichtlich. Und das Erzählen macht ihm auch Freude. Vor 90 Jahren, am 17. Juli 1926, ist er bei Kattowice ("Kattowitz" wie Czernowski sagt) geboren. Zwei seiner Geschwister sind Zwillinge, es gab noch einen Bruner und noch eine Schwester. Die fünf sind Kinder eines Bergmanns. Aber gleichzeitig soll es da noch den adligen Stammbaum geben.

Ja, die "Kindheit war eine schöne Zeit", sagt Theodor Czernowski mit seiner angenehmen Singsang-Stimme und einem leichten schlesischen Akzent. "Fußball, Freischwimmer, rotes Käppchen". Letzteres scheint eine Art Schwimmabzeichen gewesen zu sein.

Und dann hat er seine Frau kennengelernt. Eine Primaballerina. Wie er dieses alte Wort ausspricht, ist zu spüren, sie war wunderschön. Und er war offenbar sehr jung.

Mit 14, demzufolge 1940, musste er für ein "Pflichtjahr" zu einem Bauer bei Kolberg. "Beim Bauern war alles. Essen und Tanzen." Als erstes habe er Melken gelernt. "Drei Kühe, morgens um 6 Uhr melken."

Beim Arbeitsdienst haben ihn Hohe Offiziere angesprochen. Oder große? Theodor Czernowski steht extra auf, um vorzuspielen wie es damals gewesen war. Und so sei er zur 6. Gebirgsjäger Division Nord gekommen. Die war in Norwegen stationiert. 1944, da ist Czernwoski 18 Jahre alt, wird die Division nach Frankreich verlegt. Dort wird er schwer verwundet. Die Verwundung scheint das schwerste Erlebnis in seinem Leben gewesen zu sein. Das ist gleich das erste, was er erzählt - noch bevor ein Interviewtermin ausgemacht ist. Und auch im Gespräch wiederholt öfter. "Alles Gips". Und: "Die Krankenschwester hat gesagt, was für ein Glück du gehabt hast, Jüngelchen."

Nach dem Krieg hat er zunächst in Bayern gelebt. Seit den 1960er Jahren lebt er im Wedding. Erst in der Hochstraße, dann in der Gerichtsstraße. Nun lebt er im Seniorenwohnhaus in der Ackerstraße und "hat noch vor einem Jahr das Tanzbein geschwungen", wie sein Freund anerkennend sagt.

Sophie Wohnen mit Service

18. Novembeer 2016

Text und Fotos Andrei Schnell.