Reportage von den JobTalks

Caterer Optimahl bei den JobTalks an der Ernst-Reuter-Oberschule 2016 Brunnenviertel"Was machst du so beruflich?" ist die Standardfrage, wenn sich Erwachsene zum ersten Mal begegnen. Jugendliche wollen als erstes wissen, ob der Gegenüber cool oder nervig ist. Der Wechsel von der Weltsicht der Jugendlichen zur Weltsicht der Erwachsenen erfolgt meist in der Zeit der Ausbildung. Am 26. Februar kamen Auszubildende in die Ernst-Reuter-Oberschule. Sie beantworteten Fragen der Schüler und Schülerinnen zum Berufsleben. JobTalks hieß der Tag mit knapp 40 Gesprächsrunden. Eine Reportage über einen Tag der Annäherung zweier Welten.

Bei den JobTalks waren die Azubis gewissermaßen Übersetzer. Azubis ahnen, dass die Einteilung in cool und nervig ein wenig unscharf ist. Gleichzeitig verstehen sie noch, was gemeint ist, wenn Schüler fragen: Ist der Job cool? Ihre Antwort wird zwar etwas komplexer ausfallen als "Er nervt am wenigsten", aber die Sprache der Schüler und Schülerinnen nicht verlassen.

Caterer Optimahl bei den JobTalks an der Ernst-Reuter-Oberschule 2016 BrunnenviertelDer Tag beginnt um 9 Uhr. Pünktlich. Gleichzeitig in vier Gesprächsrunden stellen sich in vier Räumen der Ernst-Reuter-Oberschule Azubis den Fragen der Schüler und Schülerinnen. Bis zum frühen Nachmittag wird jede Gesprächsrunde 30 Minuten Zeit haben, gefolgt von 10 Minuten für den Wechsel.

Die Ernst-Reuter-Oberschule hat eine eigene kleine Bibliothek. Medienraum steht an der Tür. Franziska Denkel vom biz Bildungszentrum der DRK-Schwesternschaft e.V. baut Beamer und Leinwand auf. Alle 20 Stühle sind besetzt. Als ob es keine MINT-Initiativen und keine Girls-Days gegeben hätte, sind beinahe nur Mädchen der Klassen 9 und 10 zu ihrem Vortrag gekommen. Auf die abschließende Frage, wer sich für den Beruf des Krankenpflegers interessiere, reagieren die Schülerinnen zurückhaltend. Eine Schülerin immerhin ist sicher, dass sie nach der Schule "irgend etwas mit Medizin machen möchte".

Nach einem zügigen Wechsel, in dem Schülernamen in Listen eingetragen werden, spricht Gechäftsführer Eckart Eyser von der Firma TresCom. Er bringt ein Foto mit, das ihn selbst zeigt, wie er als 12-jähriger lötet. Die Schüler spüren seine Begeisterung für Löten, Elektronik und Sinuskurven. Stolz zeigt er die in U-Bahnen verbauten digitalen Fahrtenzeiger vor. Diese Technik wird in seinem Unternehmen hergestellt. Die zehn Jungs nehmen Leiterplatten und Handyteile ehrfüchtig in die Hände. "Ihr könnt nichts kaputt machen, das ist durch die Meßprüfung gefallen", sagt Eckart Eyser und lacht. Einen BoysDays scheint es in der Vergangenheit ebenfalls nicht gegeben zu haben, denn es sind nur Jungs gekommen, die sich für den Beruf des Elektronikers interessieren. Das kleine Unternehmen TesCom hat keine Azubi. Eckart Eysers eigene Ausbildung liegt Jahrzehnte zurück. Auch wenn ein Azubi den Jugendlichen mehr vom Berufsalltag des Elektronikers hätte vermitteln können, die Jugendlichen nehmen eine Menge an Informationen mit.

Wieder ein hektischer Wechsel. Die Firma Optimahl schließt ihren Laptop an den Beamer an. Projektleiter Niclas Mac Lutter sagt stolz: "Ich bringe meinen Azubi mit". Da wissen die Schüler und Schülerinnen noch nicht, dass dessen eigene Ausbildung erst zwei Jahre zurückliegt. Seine Auszubildende spricht frei und Punkt und Komma. Man ist überzeugt, sie wird einmal eine gute Vertriebsmitarbeiterin. Nicals Mac Lutter erzählt am Ende beinahe beiläufig, wie er zum Beruf des Veranstaltungskaufmann kam: "Ich habe viel gefeiert und bin deshalb durchs Abitur gerasselt. Dann kam die große Frage: Was soll ich machen. Dann fiel mir. Ich feiere gern, also mache ich was mit Organisieren von Feiern." Eine Geschichte, die den Schülern und Schülerinnen verständlich ist.

Rund 40 Unternehmen, die meisten davon kamen mit Auszubildenden, stellten sich am 26. Februar in der Ernst-Reuter-Oberschule vor. Für die Schüler und Schülerinnen der 9. Klasse war eine Möglichkeit, einen Betrieb kennen zu lernen; für die die Schüler und Schülerinnen der Klasse 10. ein bequemer Weg zwei Unternehmen kennen zu lernen. Der Ansatz, dass Auszubildende vor Schülern sprechen wird peer-to-peer genannt. Träger des mit Mitteln der Sozialen Stadt geförderten Projektes ist die Pfefferwerk gGmbH. Ausgewählt hat der Quartiersrat Brunnenviertel-Ackerstraße das Projekt JobTalks für den Fördertopf mit dem Namen Projektfonds.

LINKS
Organisiert wurde der JobTalk 2016 von der Pfefferwerk gGmbH
Unser Bericht vom JobTalk 2014
Link zu Girls- und Boysday, damit sich Berufswünsche ändern

Caterer Optimahl bei den JobTalks an der Ernst-Reuter-Oberschule 2016 Brunnenviertel

29.02.2016

Text und Foto: Andrei Schnell