So tagt die Jury

AktionsfondsjuryDer Satz klingt vielleicht etwas geheimnisvoll: "Die Aktionsfondsjury entscheidet". Diesen Satz sagen die Mitarbeiterinnen im Vorortbüro in der Jasmunder Straße stets, wenn Bürger eine Idee haben und für die Umsetzung etwas Geld beantragen wollen. Doch was passiert da eigentlich hinter den verschlossenen Türen der Aktionsfondsjury? Eine Reportage von einer Jurysitzung.

Um 17.30 Uhr beginnt das Treffen. Bereits 10 Minuten vor der Zeit sind die Mitglieder der Jury eingetroffen. Die Mitglieder, das sind Bürger aus dem Kiez. Im letzten Sommer wurden sie bei einer Kiezwahl gewählt. Man kennt sich, man fragt nach dem Befinden, man mosert ein wenig - wie es sich für Berliner gehört. Gekommen sind die zwei jungen Männer Andreas Becker und Andre Büttner. Bereits verrentet sind der ehemalige Einkäufer Hans Schoeler und Ruth Krüger. Letztere ist bereits seit Jahren im Quartiersmanagement aktiv. Im August 2014 erzählte sie dieser Webseite ihre Lebensgeschichte.

AktionsfondsjuryQuartiersmanagerin Pia Kaiser eröffnet die Sitzung mit den Worten: "Unser fünftes Mitglied hat sich entschuldigt. Wir können anfangen, wenn Sie bereit sind." Es geht zügig voran. Zuerst gibt es einen kurzen Überblick, was die Jury heute erwartet. Und schon darf der erste Bürger eintreten, um seine Idee vorzustellen. Nacheinander stellen heute drei Menschen aus dem Kiez ihre Projekte vor, die der Nachbarschaft zu gute kommen sollen. Es ist zu merken, wer bereits öfter seine Idee vorgestellt hat und routiniert sich und sein Projekt vorstellt. Andere sind dagegen aufgeregt, kennen die Situation noch nicht. Doch die Jury sorgt bei allen für eine angenehme Stimmung.

Nachdem der letzte Bürger gegangen ist, kommt der große Moment, wo sich die Jury entscheiden muss. Das Geld reicht nicht für alle Projekte. Es muss gekürzt werden. Doch bei wem und wieviel? Jetzt geht es um Argumente. Es ist zu spüren, der Jury fällt es nicht leicht, die eingereichten Ideen zu beschneiden. Unausgesprochen steht im Raum, dass die vier Nachbarn einen einstimmigen Beschluss fassen wollen. Auf Kampfabstimmung hat hier niemand Lust, auch nicht auf Profilierung. Man sieht sich schließlich täglich auf der Straße. Und im Vordergrund steht das gemeinsame Interesse am Kiez.

Den Schluss der Sitzung nutzt Quartiersmanagerin Pia Kaiser noch, um auf neue Ereignisse und Entwicklungen im Kiez hinzuweisen. Für sie sind die Jurymitglieder auch Boten in den Kiez hinein. Umgekehrt sind aus Sicht des Quartiersmanagements die Jurymitglieder Botschafter des Kiezes. Deshalb hört Pia Kaiser genau zu, was sich die vier Nachbarn am Tisch zu erzählen haben. So erhält sie einen Einblick, was im Kiez gerade Thema ist.

Die Antragsteller werden bereits am nächsten Tag den Beschluss der Jury mitgeteilt bekommen. Und auch die Jurymitglieder gehen nach etwas mehr als 60 Minuten mit dem Wissen nach Hause, was sie beschlossen haben. Aufgrund dieser schnellen Entscheidungen gilt der Aktionsfonds als einfachstes Gremium im Quartiersmanagementverfahren - geeignet für Einsteiger. Auf beiden Seiten des Antragtisches.

Aktionsfondsjury

07.06.2014

Text und Foto: Andrei Schnell