Vortrag zur Geschichte des Brunnenviertels

Vortrag Gerhard Ballewski"Die Gegend um den Humboldthain" hat im Mittelpunkt eines Vortrages von Gerhard Ballewski gestanden. Am 15. März zeigte er im Vorraum der Himmelfahrt -Kirche historische Fotos und sprach über die Geschichte des Gebiets, das heute Brunnenviertel genannt wird. Der Vortrag ist Teil der Ausstellung "Weddinger Freiheiten", die in der am Humboldthain gelegenen Kirche noch bis zum 1. April zu sehen ist.

Der Vortrag setzte ein mit der Kaiserzeit als in innerhalb weniger Jahre über 60.000 Menschen in die damals neu gebauten Häuser rund um die Brunnenstraße zogen. "Zu 90 Prozent waren das evangelisch getaufte Menschen", sagt Gerhard Ballewski. Die Frau des preußischen Kaisers wünschte sich für diese Menschen imposante Kirchen und stiftete zum Beispiel die im Humboldthain errichtete Himmelfahrt-Kirche. "Die Zeitgenossen empfanden diese Kirche als besonders schön und mit viel Schmuck ausgestattet", war im Vortrag zu hören. Allerdings bezahlte ihre Majestät den Bau nicht vollständig, sondern unterstützte lediglich.

Neben einer Vielzahl von Kirchen, die im heutigen Gebiet des Brunnenviertels gebaut wurden, streifte der Vortrag auch die Alltagsgeschichte. So gab es Fotos von kleinen Fachgeschäften zu sehen. Außerdem verwies Gerhard Ballewski darauf, dass nicht nur Proletariat im Kiez lebte. Auch gut verdienende Angestellte lebten im Stadtteil - oft im Vorderhaus in den repräsentativen ersten und zweiten Obergeschossen.

Der Krieg traf das Brunnenviertel hart, weil aufgrund der Flugabwehrkanonen auf dem Hochbunker im Humboldthain besonders viele Bomben abgeworfen wurden. Auch die Himmelfahrt-Kirche musste durch einen Neubau ersetzt werden. Zunächst war geplant, mit internationaler Hilfe ein so genannte Notkirche zu errichten. Doch dann wurde durch den Architekten Otto Bartning eine Kirche gebaut, die nur auf den ersten Blick wie eine der 49 in Deutschland errichteten Notkirchen aussieht.

Fotos aus der Zeit nach dem Krieg zeigten die Budenstadt am Gesundbrunnen, das Kaufhaus Held oder das Gebäude von Möbel Austel. In dem Haus waren 1989 Flüchtlinge aus der DDR untergebracht.

Im Anschluss entwickelte sich eine Diskussion um die nicht einfach zu beantwortende Frage, wie es um die Identität der "Gegend um den Humboldthain" steht. Ist das Brunnenviertel als eigenes Gebiet zu klein? Ist für die Menschen heute der Wedding, der Gesundbrunnen oder die alte Vorstadt Bezugsrahmen? Wer lässt sich als Partner ansprechen, um gemeinsam etwas innerhalb eines als zusammengehörend empfundenen Gebietes zu bewegen?  

Gerhard Ballewski ist Pensionär und hat zuvor in einem Brandenburger Ministerium gearbeitet. In seiner Freizeit beschäftigt er sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte des Brunnenviertels und hier schwerpunktmäßig mit der Geschichte der Friedenskirche, der Himmelfahrt-Kirche und der Versöhnungskirche. Er hat als Lokalhistoriker bereits einige Broschüren veröffentlicht.

Die Ausstellung "Weddinger Freiheiten" ist in den Räumen der Himmelfahrt-Kirche bis zum 1. April sonntags von 12 bis 14 Uhr, mittwochs von 14 bis 16.30 Uhr und donnerstags von 14 bis 16:30 Uhr geöffnet. Zu den Öffnungszeiten können auch begleitende Broschüren erworben werden. Wer es in diesem Monat nicht mehr schafft, kann im April die Ausstellung in der Osterkirche im Sprengelkiez aufsuchen bzw. etwa ab Mai in der Stephanuskirche an der Wollankstraße.

Weitere Infos:
Flyer zur Ausstellung Weddinger Freiheiten

Vortrag "Gegend um den Humboldthain"

22.03.2018

Text und Fotos: Andrei Schnell