Februar 2016

Reportage von den JobTalks

Caterer Optimahl bei den JobTalks an der Ernst-Reuter-Oberschule 2016 Brunnenviertel"Was machst du so beruflich?" ist die Standardfrage, wenn sich Erwachsene zum ersten Mal begegnen. Jugendliche wollen als erstes wissen, ob der Gegenüber cool oder nervig ist. Der Wechsel von der Weltsicht der Jugendlichen zur Weltsicht der Erwachsenen erfolgt meist in der Zeit der Ausbildung. Am 26. Februar kamen Auszubildende in die Ernst-Reuter-Oberschule. Sie beantworteten Fragen der Schüler und Schülerinnen zum Berufsleben. JobTalks hieß der Tag mit knapp 40 Gesprächsrunden. Eine Reportage über einen Tag der Annäherung zweier Welten.

Bei den JobTalks waren die Azubis gewissermaßen Übersetzer. Azubis ahnen, dass die Einteilung in cool und nervig ein wenig unscharf ist. Gleichzeitig verstehen sie noch, was gemeint ist, wenn Schüler fragen: Ist der Job cool? Ihre Antwort wird zwar etwas komplexer ausfallen als "Er nervt am wenigsten", aber die Sprache der Schüler und Schülerinnen nicht verlassen.

Caterer Optimahl bei den JobTalks an der Ernst-Reuter-Oberschule 2016 BrunnenviertelDer Tag beginnt um 9 Uhr. Pünktlich. Gleichzeitig in vier Gesprächsrunden stellen sich in vier Räumen der Ernst-Reuter-Oberschule Azubis den Fragen der Schüler und Schülerinnen. Bis zum frühen Nachmittag wird jede Gesprächsrunde 30 Minuten Zeit haben, gefolgt von 10 Minuten für den Wechsel.

Die Ernst-Reuter-Oberschule hat eine eigene kleine Bibliothek. Medienraum steht an der Tür. Franziska Denkel vom biz Bildungszentrum der DRK-Schwesternschaft e.V. baut Beamer und Leinwand auf. Alle 20 Stühle sind besetzt. Als ob es keine MINT-Initiativen und keine Girls-Days gegeben hätte, sind beinahe nur Mädchen der Klassen 9 und 10 zu ihrem Vortrag gekommen. Auf die abschließende Frage, wer sich für den Beruf des Krankenpflegers interessiere, reagieren die Schülerinnen zurückhaltend. Eine Schülerin immerhin ist sicher, dass sie nach der Schule "irgend etwas mit Medizin machen möchte".

Nach einem zügigen Wechsel, in dem Schülernamen in Listen eingetragen werden, spricht Gechäftsführer Eckart Eyser von der Firma TresCom. Er bringt ein Foto mit, das ihn selbst zeigt, wie er als 12-jähriger lötet. Die Schüler spüren seine Begeisterung für Löten, Elektronik und Sinuskurven. Stolz zeigt er die in U-Bahnen verbauten digitalen Fahrtenzeiger vor. Diese Technik wird in seinem Unternehmen hergestellt. Die zehn Jungs nehmen Leiterplatten und Handyteile ehrfüchtig in die Hände. "Ihr könnt nichts kaputt machen, das ist durch die Meßprüfung gefallen", sagt Eckart Eyser und lacht. Einen BoysDays scheint es in der Vergangenheit ebenfalls nicht gegeben zu haben, denn es sind nur Jungs gekommen, die sich für den Beruf des Elektronikers interessieren. Das kleine Unternehmen TesCom hat keine Azubi. Eckart Eysers eigene Ausbildung liegt Jahrzehnte zurück. Auch wenn ein Azubi den Jugendlichen mehr vom Berufsalltag des Elektronikers hätte vermitteln können, die Jugendlichen nehmen eine Menge an Informationen mit.

Wieder ein hektischer Wechsel. Die Firma Optimahl schließt ihren Laptop an den Beamer an. Projektleiter Niclas Mac Lutter sagt stolz: "Ich bringe meinen Azubi mit". Da wissen die Schüler und Schülerinnen noch nicht, dass dessen eigene Ausbildung erst zwei Jahre zurückliegt. Seine Auszubildende spricht frei und Punkt und Komma. Man ist überzeugt, sie wird einmal eine gute Vertriebsmitarbeiterin. Nicals Mac Lutter erzählt am Ende beinahe beiläufig, wie er zum Beruf des Veranstaltungskaufmann kam: "Ich habe viel gefeiert und bin deshalb durchs Abitur gerasselt. Dann kam die große Frage: Was soll ich machen. Dann fiel mir. Ich feiere gern, also mache ich was mit Organisieren von Feiern." Eine Geschichte, die den Schülern und Schülerinnen verständlich ist.

Rund 40 Unternehmen, die meisten davon kamen mit Auszubildenden, stellten sich am 26. Februar in der Ernst-Reuter-Oberschule vor. Für die Schüler und Schülerinnen der 9. Klasse war eine Möglichkeit, einen Betrieb kennen zu lernen; für die die Schüler und Schülerinnen der Klasse 10. ein bequemer Weg zwei Unternehmen kennen zu lernen. Der Ansatz, dass Auszubildende vor Schülern sprechen wird peer-to-peer genannt. Träger des mit Mitteln der Sozialen Stadt geförderten Projektes ist die Pfefferwerk gGmbH. Ausgewählt hat der Quartiersrat Brunnenviertel-Ackerstraße das Projekt JobTalks für den Fördertopf mit dem Namen Projektfonds.

LINKS
Organisiert wurde der JobTalk 2016 von der Pfefferwerk gGmbH
Unser Bericht vom JobTalk 2014
Link zu Girls- und Boysday, damit sich Berufswünsche ändern

Caterer Optimahl bei den JobTalks an der Ernst-Reuter-Oberschule 2016 Brunnenviertel

29.02.2016

Text und Foto: Andrei Schnell

Wahllexikon: Was ist ein Quartiersmanagement?

Vom 4. bis 9. Juli 2016 werden im Brunnenviertel wieder der Quartiersrat und die Aktionsfondsjury gewählt. Die wichtigsten Begriffe werden im "Lexikon der Stadtteilwahl 2016" erklärt. Die erste Frage: Was ist das Quartiersmanagement? Kurz gesagt: Es ist eine vom Senat geförderter Organisator, der Menschen in einem Stadtteil dabei unterstützen möchte, selbst Lösungen für ihren Stadteil zu finden.

Auf der Webseite www.quartiersmanagement-berlin.de werden alle 37 Gebiete mit einem Quartiersmanagement gesammelt. Dort wird Quartiersmanagement so definiert: "Berliner Quartiersmanagement stabilisiert Stadtteile, denen droht, von der gesamtstädtischen Entwicklung abgehängt zu werden. Quartiersmanagement soll negative Folgen von gesellschaftlicher Benachteiligung abmildern oder kompensieren."

Ein kürzeres Wort für Quartiersmanagement ist Vorort-Büro oder Stadtteilladen. Diese Worte heben einen wichtigen Punkt der Arbeitsweise eines Quartiersmanagements hervor: die Mitarbeit der Menschen vor Ort im Stadtteil. Wenn Menschen im Kiez Verantwortung für ihre unmittelbare Umgebung übernehmen und sich im Kiez einbringen, geht es mit dem Kiez ein Stück weit voran. Lösungen für den Stadtteil sollen nicht von oben oder außen kommen, sondern aus dem Stadtteil selbst wachsen. Zwei Möglichkeiten, sich für den Kiez einzubringen, sind die Aktionsfondsjury und der Quartiersrat.

Auf dem YouTube-Kanal gibt es einen Film, der unsere Arbeit erklärt. Das heißt, die Arbeit des Quartiersmanagement Brunnenviertel-Ackerstraße. Außerdem haben gibt es auf dieser Webseite im linken Menü den Punkt Wer & Was ist das. Dort wird die Arbeit unseres Vorort-Büros ausführlich erklärt.

Pro Jahr stehen in Berlin rund 23 Millionen Euro zur Verfügung. Im Jahr 2014 wurden davon im Gebiet Brunnenviertel-Ackerstraße 180 000 Euro investiert und im Gebiet Brunnenstraße 260 000 Euro. Weitere Zahlen im Bericht Programmplanung.

Weitere Informationen auf der Seite www.brunnenviertel-ackerstrasse.de/wahlen2016.

Was ist das Quartiersmanagement

23.02.2016

Text und Foto: Andrei Schnell

Gemeinsame Ziele der beiden Quartiersräte

Gemeinsame Sitzung Quartiersrat Brunnenviertel Februar 2016Noch mehr Grün für das Viertel, eine gemeinsame Strategie der Händler in der Brunnenstraße, mehr Treffs für ältere Nachbarn und Projekte für die Jugend – bei der gemeinsamen Sitzung der Quartiersräte im Brunnenviertel entstanden viele Projektideen für die Entwicklung des Kiezes. Im Olof-Palme-Zentrum diskutierten die Mitglieder der Bürgerjurys, zahlreiche Gäste und Projektträger am Montag (22. Februar) darüber, welche Projekte in diesem Jahr mit Mitteln aus dem Programm „Soziale Stadt“ unterstützt werden sollen.

Die Quartiersräte aus den Gebieten Brunnenstraße und Ackerstraße haben sich nicht zum ersten Mal zu einer gemeinsamen Sitzung getroffen. „Wir wollen uns in Zukunft noch stärker abstimmen und Projekte gemeinsam entwickeln“, erklärt Katja Niggemeier vom Quartiersmanagement Brunnenstraße. Die ehrenamtlichen Jurymitglieder tauschten sich am Montag zu fünf verschiedenen Themenbereichen aus. Die größte Gesprächsrunde beschäftigte sich an diesem Tag mit dem Thema Nachbarschaft. Auf der Wunschliste standen am Ende unter anderem ein Nachbarschaftscafé im Olof-Palme-Zentrum, ein Begleitservice für Senioren, eine bessere Nahversorgung, eine Schreibwerkstatt für Ältere sowie der Wunsch, Ehrenamtsprojekte auch abends anzubieten.

Eine zweite Gruppe setzte sich mit der Brunnenstraße auseinander. Dabei ging es um das Thema Gewerbeentwicklung. Dazu waren vier Vertreter der Degewo anwesend. Die Wohnungsbaugesellschaft Degewo besitzt Gewerbeimmobilien in der Brunnenstraße. Die Degewo erläuterte ihre Strategie zur Belebung der Straße und nahm Hinweise der Quartiersräte auf. Als Neuigkeit brachten die Gäste die Information über eine neue Belebungsoffensive der Degewo mit: Am 3. April findet erstmals ein Street Food Markt in der Brunnenstraße statt. Von 11 bis 18 Uhr soll es zwischen Bernauer Straße und Stralsunder Straße ums Thema Essen gehen, wobei die Degewo hofft, so Besucher ins Viertel zu locken. Parallel sei ein kleines Kulturprogramm geplant, Initiativen aus dem Kiez sind eingeladen, sich zu präsentieren. Der Markt soll ab April immer am ersten Sonntag im Monat stattfinden. Die Quartiersräte diskutierten darüber hinaus, ob eine gemeinsame Strategie aller Gewerbetreibenden in der Brunnenstraße sinnvoll wäre.

Grünräume gibt es im Quartier viele. Wäre es aber möglich an die Idee einer Gartenstadt anzuknüpfen, die in der Ernst-Reuter-Siedlung seinerzeit umgesetzt wurde? Der Thementisch zum Thema Grün präsentierte am Ende viele Ideen: Grüne Wände, eine essbare Straße, Blumen-Pflanzberatungen, Vernetzung, Begegnung und vieles mehr wurden angedacht. „Die Ideen sind sehr konkret und weit gediehen. Hier könnte auf jeden Fall ein Projekt entstehen“, sagt Quartiersmanagerin Katja Niggemeier.

Der Tisch zum Thema Jugend, Beteiligung und Bildung erfasste zunächst Stärken, Potenziale, aber auch Schwächen und Herausforderungen in diesem Bereich. Der Thementisch Kiezmelder und Zukunftswerkstatt bot die Möglichkeit, festgestellte Bedarfe auf einer Karte einzutragen. Die Ideen werden die Quartiersräte nun als Grundlage für detaillierte Beratungen nutzen und Projekte daraus entwickeln, die noch in diesen Jahr starten sollen.

 Gemeinsame Sitzung Quartiersrat Brunnenviertel Februar 201623.02.2016

Text und Fotos: Dominique Hensel

Der Veranstaltungskalender wird erneuert

Veranstaltungskalender verändert BrunnenviertelDie Veranstaltungskalender im Brunnenviertel sind nützliche kleine Helfer im Alltag. Wer sich über regelmäßige Termine, Ferienaktionen oder besondere Kiezhöhepunkte informieren will, kennt und schätzt sie seit langem. Mit dem neu gestarteten „Soziale Stadt“-Projekt wird es einige Änderungen und Verbesserungen geben, aber die Nachricht ist: der Veranstaltungskalender erscheint weiterhin und wird noch bis Ende 2017 gefördert.

Das Team um Birgit Bogner, das bis Dezember 2015 für die Kalender zuständig war, wird auch das neue Kalender-Projekt durchführen. „Es wird bald wieder einen Veranstaltungskalender für das Brunnenviertel geben“, sagt die Projektnehmerin. Aktuell wird der Kalender für die Monate März und April erstellt. Das neu gestartete Projekt „Brunnenviertel Veranstaltungskalender (2016-17)“ beinhaltet mehrere Bausteine: den Eventkalender, eine Übersicht regelmäßiger Angebote, einen Ferien- und Freizeit-Guide für Kinder und Jugendliche sowie die Punkte Vernetzung und Online-Kalender.

Der bewährte Veranstaltungskalender erscheint künftig alle zwei Monate. Redaktionsschluss ist jeweils am 12. des geraden Monats (Februar, April, Juni. August, Oktober, Dezember). Der Kalender wird im bewährten Format des 12-seitigen Faltblattes erscheinen, die Titelbilder der jeweiligen Ausgaben werden sich farblich unterscheiden. Neben den Kurzinfos zu öffentlich zugänglichen Einzel-Veranstaltungen soll es auch wieder Raum geben, neue Projekte kurz vorzustellen oder auf besondere Veranstaltungen hinzuweisen.

Die Rubrik für regelmäßige Kurse, Beratungen und Anwohnertreffen ist in den letzten Jahren stark angewachsen. Es wird in Zukunft dafür einen separaten Flyer geben mit einer Übersicht über die Einrichtungen, ihre Zielgruppen, Kurzinfo zu den Angeboten und Kontaktangaben. Dieses wird zweimal jährlich aktualisiert. Alle Akteure mit regelmäßigen Angeboten werden eingeladen, an der Formatentwicklung für diese Sonderpublikation mitzuwirken.

„Der Ferienkalender hat sich in den letzten Jahren gut etabliert. Kinder, Jugendliche und auch ihre Eltern nutzten diese gerne als Information und Anregung für die Freizeitgestaltung“, sagt Birgit Bogner. In der neuen Projektperiode wird es einen Freizeit-Führer beziehungsweise einen Freizeit-Guide geben, ein Faltblatt mit einer Übersicht zu den Hauptangeboten der Kinder- und Jugend-Einrichtungen im Brunnenviertel. Dieser Guide enthält neben den Adressen, Kontaktdaten und Öffnungszeiten der Einrichtung auch die jeweiligen Angebote, Hinweise zu speziellen Ferien- oder Projektangeboten sowie Zielgruppe beziehungsweise Altersangaben. Als Ergänzung werden ausgewählte weitere Aktivitätsmöglichkeiten in der näheren Umgebung aufgeführt. Dieser neue Freizeit-Kalender erscheint erstmals zu den Sommerferien 2016 und soll auch die speziellen Sommerferien-Angebote etnhalten. Diese Termine sind abtrennbar, und das Faltblatt kann nach den Ferien als Freizeit-Guide weiter genutzt werden.

Birgit Bogner weist darauf hin, dass alle Akteure darüber hinaus die Möglichkeit haben, ihre Veranstaltungen auf der Website der Quartiersmanagements selbst einzutragen. Es ist geplant, im Rahmen eines Netzwerktreffens dazu eine Einführung dazu zu geben. „Ich freue mich auf weitere zwei Jahre gute Zusammenarbeit“, sagt Birgit Bogner.
 
Kontakt
Birgit Bogner | art.e.m artists & event management
info(at)artem-berlin.de | www.artem-berlin.de
Mobiltelefon: (0172) 300 20 11
Telefon: (030) 346 53 779

 

23.02.12016

Text und Foto: Birgit Bogner, bearbeitet: D. Hensel

Ideenaufruf zum Aktionsfonds

Ideenaufruf Brunnenviertel AktionsfondsDie einprägsame Formel "Dein Kiez - Deine Idee" macht auf den Aktionsfonds aufmerksam. Aus diesem Fördertopf können Menschen aus dem Kiez Geld beantragen, um ein eigenes Projekt zu verwirklichen. Das Projekt soll die Nachbarschaft im Brunnenviertel stärken. Die Frist für Anträge läuft bis zum 18. Februar.

Der Aktionsfonds unterstützt kurzfristige Aktivitäten im Stadtteil mit bis zu 1.500 Euro. Hierzu gehören: Feste und Feiern, kleine Garten- und Baumscheibenprojekte, Anschaffungen und Material für nachbarschaftliche Aktivitäten und noch Einiges mehr.

Wichtig ist, dass auch die Nachbarschaft etwas von dem Projekt hat, z.B. indem Bewohnerinnen und Bewohner an der Aktion teilnehmen können, mit Nachbarn etwas im Stadtteil verändert wird oder der Stadtteil dadurch ein Stückchen schöner wird. Vor allem soll das ehrenamtliche Engagement im Stadtteil dadurch gestärkt werden.

Mehr Informationen zum Aktionsfonds finden sich durch Klick auf das Wort hier.

Informationen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zum Aktionsfonds finden sich durch Klick auf das Wort hier.

Ideenaufruf Aktionsfonds Brunnenviertel

27.01.2016

Text: Andrei Schnell

Grafik: Quartiersmanagement

Kiezmelder will vernetzen

Auftakt Projekt KiezmelderDas Projekt Kiezmelder ist am 11. Februar mit einem Workshop gestartet. Philipp Hickethier und Malte Spindler vom Träger "Die Brueder" stellten den Gästen aus Einrichtungen im Brunnenviertel das Projekt vor und sammelten erste konkrete Anregungen. Das über zwei Jahre laufende Projekt soll erreichen, dass sich Menschen und Einrichtungen vernetzen, um gemeinsam Lösungen für den Kiez zu finden.

Die wichtigste Nachricht während des Treffens war die Einladung an alle interessierten Bewohner und Bewohnerinnen des Brunnenviertels zu einem Kiezspaziergang am 15. März von 14 bis 17 Uhr (Treffpunkt vor dem QM Brunnenviertel Ackerstraße) Außerdem will das Projekt in den nächsten Wochen verschiedene Einrichtungen im Kiez besuchen.

Auftakt Projekt KiezmelderPhilipp Hickethier und Malte Spindler, die das Projekt für "Die Brueder" betreuen, gestalten in den kommenden Monaten den sehr offenen Prozess. Das Ziel des Projekts Kiezmelder umriss Philipp Hickethier mit einer Frage: "Wie bringt man Menschen überhaupt zusammen?" Dafür sollen verschiedene Online- und Offline-Tools entwickelt werden, die bestehende Angebote aufzeigen und es Menschen im Kiez erleichtern, sich und ihre Ideen für Veränderungen im öffentlichen Raum einzubringen. Das können kleine, alltägliche Dinge sein, wie die Begrünung von Brachflächen oder Aufräum-Aktionen. Denkbar ist aber auch, dass aus Initiativen im Projekt Impulse für städtebauliche Veränderungen gesetzt werden, wie Fahrradwege, Parkplätze, Bepflanzungen oder neue Fußwege (zum Beispiel über die stillgelegten Liesenbrücken).

Der Name Kiezmelder leitet sich von melden im Sinne von mitteilen her. Einerseits sollen Bewohner und Bewohnerinnen auf einfache Weise melden können, wenn im Kiez etwas verbessert werden sollte. Gleichzeitig soll aber auch den Bewohnern und Bewohnerinnen "gemeldet" werden, wenn andere Menschen im Kiez genau die gleichen Wünsche wie sie haben. Das Thema der Meldungen soll der Kiez, der öffentliche Raum, sein.

Im ersten Schritt ging es den Organisatoren dabei zunächst einmal darum, selbst "in den Kiez eintauchen", wie sie sagten. Dazu konnten die Einrichtungen auf einer Karte des Brunnenviertels ihren Standort, ihre Angebote und ihre Wünsche "für kleinteilige Handlungsbedarfe im öffentlichen Raum" markieren. 

Auftakt KiezmelderFür die Vertreter der Einrichtungen war das Treffen am Donnerstag eine Gelegenheit, das eigene Netzwerk zu erweitern. So begegneten sich Lihong Tong, die Vorsitzende des Fo-Guang-Shan Tempel e.V., und Ines Blumenthal vom Umweltamt zum ersten Mal. Aber auch Eckart Eyser vom Technologie-Park Humboldthain und Dorothea Reinhardt vom Selbst-Hilfe im Vor-Ruhestand e.V. konnten neue Kontakte knüpfen.

Das Projekt Kiezmelder wurde vom Quartiersrat 2015 ausgewählt. Es wird aus dem Projektfonds bis zum Jahr 2017 mit insgesamt 35.000 Euro gefördert. Die Mittel kommen aus dem Programm "Soziale Stadt".

LINKS
Agentur Die Brueder

Auftakt Projekt Kiezmelder

15.02.2016

Text: Andrei Schnell und Philipp Hickethier (Die Brueder GbR); Fotos: Malte Spindler (Die Brueder GbR)

help to heißt passend helfen

Help to in BerlinDie Internet-Seite berlin.helpto.de (ohne www) verbindet. Wie auf einer Webseite für Kleinanzeigen können geflüchtete Menschen und Berliner ihre Angebote und Gesuche einstellen. Help-to will Flüchtlinge und hilfsbereite Menschen zusammen bringen. Im Dezember startete help-to in Berlin im Bezirk Mitte. Ziel der Seite ist es, Hilfen und Bedarf passend zu vermitteln.

Zum Beispiel sucht ein Helfer (oder eine Helferin) in Neukölln Basketballschuhe in der Größe 45. Ein Unterstützerkreis in Mahlsdorf sucht Alltagspaten. Eine Gruppe Deutschlehrer sucht Fahrkarten für Exkursionen mit Flüchtlingen. Die Seite berlin.helpto.de ist auch eine Börse. Wie jede Börse bringt sie Menschen zusammen, bei denen Gesuch und Angebot zusammen passen. Um Geld und Geschäfte geht es bei dieser Börse allerdings nicht. Außer für den Betreiber der Webseite, den Potsdamer Verein Neues Potsdamer Toleranzedikt e.V., finden sich auf berlin.helpto.de keine Aufrufe zu Geldspenden. Es geht ausschließlich um Sachspenden und Zeitspenden.

In der Rubrik Basisinformationen finden sich Zahlen und Hintergründe zur Situation von Flüchtlingen und Asylbewerber in der Bundesrepublik. So wird erklärt, auf welchen Stationen frühestens nach acht Jahren eine Einbürgerung möglich ist.

Nützlich ist die Seite auch für bestehende Initiativen. Gruppen, die Flüchtlingen helfen, können sich über berlin.helpto.de vernetzen und ihre Arbeit abstimmen.

Christoph Miethke ist Unternehmer aus Potsdam und Vorsitzender des Neuen Potsdamer Toleranzedikts e.V. Der Verein hat im Oktober 2015 das Projekt HelpTo - das Hilfe-Portal für Flüchtlinge & Bedürftige gegründet. Seit dem expandiert Help to vom Bundesland Brandenburg aus in die Bundesrepublik. Die Berliner Abteilung wurde im Dezember 2015 im Beisein von Bezirksbürgermeister Christian Hanke im Bezirk Mitte gegründet. Der Neues Potsdamer Toleranzedikt e.V. wurde am 29. Oktober 2009 gegründet. Die Gründung geht zurück auf das im Oktober 2008 vom Potsdamer Oberbürgermeister veröffentlichte Neue Potsdamer Toleranzedikt.

LINKS
Gesuche und Angebote auf der Berliner Seite von berlin.helpto.de
Basisinformationen bereitgestellt von berlin.helpto.de
Internetseite Neuer Potsdamer Toleranzedikt e.V.

berlin.helpto.de

09.02.2016

Text: Andrei Schnell

Grafik: helpto.de

Wege finden im Brunnenviertel

Markus Schroeppel Elimination of doubtEin gutes Wegeleitsystem hilft den Menschen bei der Suche nach kurzen Wegen. In seiner Doktorarbeit beschreibt Markus Schroeppel zwei Beispiele von Wegeleitsystemen für das Brunnenviertel. Das erste Beispiel ist ein Entwurf für ein Wegeleitsystem innerhalb des Humboldthain. Das zweite Beispiel ist ein Vorschlag für den gesamten Brunnenkiezl. Die Doktorarbeit in englischer Sprache kann online gelesen werden.

Es ist eine Besonderheit des Brunnenviertels, dass in ihm schon seit Jahrzehnten Bodenmarkierungen genutzt werden, um sich besser zurecht zu finden. An vielen Kreuzungen im Kiez sind im Bürgersteig aus kleinen Granitsteinen Kompasse eingelassen (siehe Foto oben). Statt Bodenmarkierung sagt man heute "floor marking". Und statt Wegeleitsystem oder Wegführung sagt man heute Signage. Markus Schroeppel hat in seiner 2015 abgeschlossenen Doktorarbeit "Elimination of doubt" neue Antworten auf die alte Frage gefunden: Welche Schilder helfen Menschen, den besten Weg zu finden?

Dissertation Makrus Schroeppel Elimination of doubtAb Seite 127 seiner Doktorarbeit beschreibt Markus Schroeppel, wie seine Studenten und Studentinnen Ideen für eine Beschilderung des Humboldthaines gefunden haben. Die Ergebnisse waren bereits am 25. Juni 2012 im GesundbrunnenCenter ausgestellt worden. Auf Seite 135 seines Buches finden sich Beispiele aus der Ausstellung, die damals den Titel trug "Im Park verlaufen? Von wegen".

Ab Seite 154 wird die Entwicklung einer Wegführung für das Brunnenviertel beschrieben. Die von Studenten und Studentinnen entworfenen Stadtteil-Pläne und Richtungsschilder sind ab Seite 167 abgedruckt. Die Entwürfe für das Brunnenviertel waren vor drei Jahren als eigenständige Broschüre gedruckt worden und waren am 4. Juni 2013 an den Berliner Senat und Bezirksamt Mitte übergeben. Die Broschüre trägt den Titel "Konzptideen für ein Leit- und Wegesystem im Brunnenviertel, Berlin, Wedding". Diese Broschüre ist leider nicht als PDF im Internet verfügbar.

Das Brunnenviertel wird und wurde bereits mehrmals erforscht. Zum Beispeil von Fabian Nagel in seiner Arbeit "Grenzen des Brunnenviertels" oder von Jonas Kertscher in "Wahrnehmung des Brunnenviertel".

LINKS
Eine Beschreibung der Doktorarbeit in deutscher Sprache bietet der Informationsdienst Wissenschaft
Die komplette Dissertation (englisch) findet sich auf der Webseite von Markus Schroeppel
Artikel zu Fabian Nagel "Grenzen des Brunnenviertel"
Artikel zu Jonas Kertscher "Wahrnehmung des Brunnenviertels"

Markus Schroeppel Elimination of doubt

09.02.2016

Text und Foto: Andrei Schnell

Grafiken: Natascha Klingbeil/Lara Daskalu 2012 und Tanita Helm/Dominic Sanny 2012

Gründerin bezieht Geschäft in der Brunnenstraße

Selosoda Foto Fernando RebeloDie Cola ist nach dem Kaffee eine der beliebtesten Getränke in der Bundesrepublik. Laura Zumbaum will aus einer Pflanze beide Getränke gewinnen. Ökologisch ausgerichtete Kaffeebauern in Panama stellen nun für sie aus dem Fruchtfleisch der Kaffeekirsche die koffeinhaltige Selosoda her.

Wenn Kaffee geerntet wird, interessiert den Kaffeebauern in aller Welt nur der Kern der Kaffeekirsche. Dieser Kern ist hierzulande bekannt als geröstete und meist auch gemahlene braune Kaffeebohne. Das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche wird zumeist als Abfall vernichtet. Der ökologisch denkende Kaffeebauer Carciano Cruz aus Panama trocknet ab sofort die anfallenden Kaffeekirschen. Das getrocknete Ergebnis verschickt er unter den Namen Cascara an Laura Zumbaums Unternehmen.

SelosodaLaura Zumbaum hat Selosoda 2015 gegründet. Am 28. Januar dieses Jahres gewann sie mit ihrer Geschäftsidee den Gründerpreis der degewo. Sie bezieht nun ein Jahr lang mietfrei das Geschäft in der Brunnenstraße 55. Von hier aus organisiert sie den Versand des Getränks Selosoda. In Süddeutschland wird das Getränk aus der getrockneten Cascara hergestellt. Im ersten Schritt werden exklusiv Restaurants beliefert. Der Versand an private Adressen interessierter Kunden wird in einem nächsten Schritt folgen.

Das Gründungskapital hat Selosoda übrigens von Fans ihrer Idee im Internet gesammelt. Die 26-jährige Laura Zumbaum hatte zuvor in zahlreichen Internet-Firmen gearbeitet, bei denen sie das Online-Geschäft mit Müsli oder Saft von der sprichtwörtlichen Pike auf gelernt hat.  

Der Gründerpeis der Degewo wurde in diesem Jahr zum sechsten Mal verliehen. Der Gewinn ist eine Jahresmiete einer Gewerbefläche der Degewo. Die Ausschreibung für den siebenten Gründerpreis der Degewo wird voraussichtlich im Herbst 2016 veröffentlicht.  

LINKS
Selosoda
Gründerpreis der degewo

Kaffeefrüchte Foto Fernando Rebelo08.02.2016

Text: Andrei Schnell

Foto oben: Fernando Rebelo - Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Foto Mitte: Selosoda

Foto unten: Andrei Schnell