März 2019

Vor 20 Jahren startete Quartiersmanagement

20 Jahre QuartiersmanagementIn diesem Jahr feiert das Berliner Verfahren des Quartiersmanagements sein 20-jähriges Jubiläum. Uns so begann alles: Im März 1999 beschloss der Berliner Senat ein Städtebauförderungsprogramm einzuführen. Dieser Beschluss gilt als Geburt des Quartiersmanagement. Der zuständige Senator für Stadtentwicklung im Senat Eberhard Diepgen (CDU) hieß damals Peter Strieder (SPD).

Anlass: soziale Entmischung beobachtet

Die ersten 15 Gebiete, in denen in Berlin ein Quartiersmanagement eingeführt wurde, wurden vier Kulissen zugeordnet. Das waren Altbaugebiete Ost und West sowie Großsiedlungen Ost und West. Als Hauptproblem wurde damals die "Mobilität" wahrgenommen. Gemeint war damit die Umzugsrate. Sie lag in der Spitze in manchen Stadtteilen bei 20 Prozent. Allerdings wurde nicht der einfache Umzug als Problem wahrgenommen, sondern die damit verbundene Entmischung der Kieze. Fortzug und Zuzug nach der Wiedervereinigung führten in den 1990er dazu, dass sich Menschen mit geringen Einkommen in bestimmten Stadtteilen konzentrierten, während Haushalte mit guten Einkommen sich in anderen Stadtteilen zusammenfanden. Gemessen wurde Entmischung an den Faktoren "hohe Arbeitslosigkeit, hohe Sozialhilfedichte und hohe Ausländeranteile" (Bericht gesamtstädtische Strategie 1999).

Zauberwort "integriert" = Beteiligung

Von Beginn an stand das Förderprogramm Quartiersmanagement unter der Überschrift "integriertes Handeln". Im Bericht für eine gesamtstädtische Strategie hieß es 1999: "Auf Grund der vielschichtigen Überlagerung von wirtschaftlichen, sozialen, ethnischen und städtebaulichen Problemen ist eine integrierte Quartiersentwicklung notwendig." Weiter: "Durch integriertes Handeln und vernetzte Maßnahmen" ist eine positive Entwicklung zu bewirken.

Mit dem Begriff "integriertes Stadtteilverfahren" wurde auf die Erfahrungen der so genannten Behutsamen Stadterneuerung aus 1980er Jahren in Westberlin Bezug genommen. Zentrales Merkmal dieses Förderverfahrens war die Beteiligung der im Fördergebiet lebenden Menschen. Der Stadtplaner Hardt-Waltherr Hämer hatte zwölf Grundsätze dieser sozial- und bewohnerorientierten Förderung formuliert.

Galt es in den 1980er Jahren Proteste aus der Bevölkerung für eine konstruktive Mitarbeit fruchtbar zu machen, so zeigte sich in 2000er Jahren, dass es eine wichtige Aufgabe des Quartiersmanagements sein musste, das Interesse der Menschen an ihren Stadtteil erst einmal zu wecken.

2004 kam es zu einer Neuausrichtung des Programms. Betont wurde darin unter anderem die Wichtigkeit eines Vorortbüros, des Handlungskonzeptes und der Bewohneraktivierung.

20 Jahre Quartiersmanagement

Vor 20 Jahren lag ein Schwerpunkt der Arbeit des Quartiersmanagements in der Berliner Innenstadt und damit auch in Friedrichshain und im Prenzlauer Berg. Die zeitlich befristete Hilfe hat sich für viele dieser Gebiete längst erübrigt. Heute liegen viele der aktuell 34 unterstützten Gebiete in den Ortsteilen Wedding, Neukölln und Kreuzberg.

Aktuell wird das Quartiersmanagementverfahren von einer Phase der Reflexion begleitet. In einem Thesenpapier, das auf dem Quartiersrätekongress 2018 vorgestellt wurde, werden Erfolge und Verbesserungsmöglichkeiten für die künftige Arbeit vorgestellt. Schwerpunkt der Arbeit wird auch in Zukunft die Beteiligung sein, wobei auch Gruppen erreicht werden sollen, die bislang unterrepräsentiert sind.

Feier

20 Jahre Quartiersmanagement in Berlin wird auch groß gefeiert. Ein Höhepunkt wird der Tag der Städtebauförderung am 11. Mai und ein Festempfang im Spätsommer 2019 sein. Am 28. März findet ein Presserundgang statt. Verschiedene Berichte über das Quartiersmanagement sind in diesem Jahr zu erwarten. Ob auch das Gebiet Ackerstraße ins Fernsehen kommen wird?

Links
Bericht zur Entwicklung einer gesamtstädtischen Strategie zur Entschärfung sozialer Konflikte besonders belasteter Stadtquartiere 1999
Strategische Neuausrichtung 2004
Webseite zum Reflexionsprozess mit Thesenpapier

Logo Soziale Stadt 20 Jahre

25.03.2019

Grafik: Quartiersmanagement

Der richtige Abschied vom alten Handy

Handy SmartphoneDas Vorortbüro in der Jasmunder Straße 16 sammelt ab sofort alte Smartphones. Für Mobiltelefone, die nicht mehr benötigt werden, wurde eine Box aufgestellt. So können Altgeräte vor dem Müll bewahrt werden. Die eingesammelten Handys werden dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) übergeben, der für jedes Gerät einen kleinen Geldbetrag erhält.

Grundgedanke der Aktion ist, dass die Minicomputer für die Hosentasche wertvolle Rohstoffe enthalten, die noch genutzt werden sollten. Für die jährlich in Deutschland 24 Millionen verkauften Handys werden 720 Kilogramm reines Gold benötigt. Deshalb und wegen weiterer wertvoller Rohstoffe sollten Smartphones so lange wie möglich genutzt werden. In den Akkus ist zum Beispiel Kobalt enthalten. Das ist ein auf der Erde selten vorkommender Stoff, der dringend wieder verwendet werden sollte.

Nicht mehr benötigte Mobiltelefone dürfen nicht über den allgemeinen Müll entsorgt werden. Denn viele im Gerät enthaltene Schadstoffe würden sonst unkontrolliert freigesetzt.

Bei der Aktion "Alte Handys für die Havel" erhält der NABU von einem großen Telefonanbieter für jedes gesammelte Handy eine Spende. Alle in der Box im Vorortbüro gesammelten Althandys kommen dieser Aktion zu Gute. Der NABU lässt die Geräte reparieren. Wo das nicht mehr funktioniert, werden die wertvollen Rohstoffe aus dem Smartphone herausgenommen und erneut verwertet. Im Jahr 2018 hat der NABU auf diese Wese fast 60.000 alte Handys vor dem Abfall bewahrt und fast 100.000 Euro erhalten. Mit diesem Geld werden Projekte zur Renaturierung der Havel mitfinanziert.

Links
Aktion Alte Handys für die Havel 
Tipps für ein längeres Leben für Smartphones gibt das Umweltbundesamt

Vorortbüro Jasmunder Straße

23.03.2019

Text und Fotos: Andrei Schnell

Umweltgerechtigkeit: Kiez vor allem durch Hitze belastet

WasserDer Senat hat den Basisbericht Umweltgerechtigkeit vorgelegt. Das Gebiet Ackerstraße ist bei diesem Thema vor allem von Hitze negativ betroffen. In der Studie des Senats wurden die Umweltbedingungen aller 447 Kieze in Berlin verglichen. Dabei zeigte sich, dass die Qualität der Umwelt in der Stadt ungleich verteilt ist.

Verglichen wurden Lärmbelastung, Luftbelastung, Grünversorgung, thermische Belastung. Zu diesen Umweltfaktoren wurde noch der Sozialindex hinzugenommen. Im Ergebnis gehört das Gebiet Ackerstraße zu den Berliner Stadtteilen, die durchschnittlich von Nachteilen betroffen sind. Das Quartier fast allen diesen Kategorien eine mittlere Note erhalten. Allerdings ist für die Kategorie Bioklima (Hitze) ein sehr schlechter Wert ermittelt worden.

Zur Erstellung der Daten wurden in Berlin an über vier Millionen Stellen der Schall gemessen. Die Güte der Luft wurde anhand einer Rastermessung für Feinstaub und Stickstoffdioxid erhoben. Die Grünversorgung wurde anhand der Entfernung zu wohnungsnahen kleineren Grünflächen und siedlungsnahen größeren Parks bestimmt. Die thermische Belastung - oder das Bioklima - wurde anhand von gemessenen Hitzebelastungen am Tag und dem Potential nächtlicher Abkühlung erhoben.

Bezogen auf Berlin zeigt sich - wenig überraschend - dass die Umweltbelastung vor allem im S-Bahnring hoch ist, während die Außenbezirke weniger leiden. Außerdem zeigt sich, dass in Berlin vor allem Stadtteile mit sozialen Herausforderungen auch in Bezug auf Umweltfragen vor großen Aufgaben stehen.

In der Studie, die von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz herausgegeben wurde, wurde die Umweltgerechtigkeit auf Ebene der lebensweltliche orientierten Räume (LOR) untersucht. Ein LOR kann im Alltagsgebrauch als "Kiez" angesehen werden. Der LOR Humboldthain Süd mit rund 10.000 Einwohnern trägt die Nummer 01033202, befindet sich in der Bezirksregion Brunnenstraße Nord im Planungsraum Gesundbrunnen. Das Gebiet des LOR ist etwas größer als das Gebiet des Quartiersmanagementgebiet Ackerstraße.

Link:
Informationen der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zur Umweltgerechtigkeit

Wasser Brunnneviertel Humboldthain

04.03.2019

Text und Fotos: Andrei Schnell

MachMit-Gruppe setzt sich ein

FreizeiteckJeden vierten MIttwoch im Monat trifft sich im Freizeiteck in der Graunstraße 28 die MachMit-Gruppe. Rund neun engagierte Anwohner und Anwohnerinnen diskutieren aktuelle Kiezthemen und setzen sich für konkrete Verbesserungen im Brunnenviertel ein. Sie fragen in der Verwaltung nach oder starten Umfragen.

Die Menschheitsfragen sind selten Thema bei einem der Treffen der MachMit-Gruppe, die regelmäßig in den Räumen des Brunnenviertel e.V. stattfinden. Es geht um konkrete Fragen wie: Warum nutzen einige Menschen die Fußgängerpromenade Swinemünder Straße als Abkürzung? Was bedeutet die wachsende Anziehungskraft des Mauerparks für das Leben im Brunnenviertel? Würde eine Parkraumbewirtschaftung dem Kiez Vorteile bringen?

Aktuell werden in der Gruppe vor allem Themen diskutiert, die den Anwohnern und Anwohnerinnen im Gebiet Brunnenviertel-Brunnenstraße unter den Nägeln brennen. Doch die neun Mitglieder der Gruppe wollen künftig auch Themen in den Blick nehmen, die das ganze Brunnenviertel betreffen.

Die Treffs beginnen um 18 Uhr im Freizeiteck in der Graunstraße 28. Die nächste Zusammenkunft ist am Mittwoch, 27. März.

Links
www.brunnenviertel.de

Mach Mit Gruppe

26.03.2019

Text und Fotos: Andrei Schnell

Poller sichert Kindergarten

PollerVor kurzem hat der Eigentümer des Geländes unter der Millionenbrücke einen Poller augestellt und das Zufahrtstor lediglich bis zur Hälfte geöffnet. Damit ist eine Abkürzung zu einem großen Supermarkt an der Brunnenstraße versperrt. Die kleine Maßnahme hat eine große Wirkung für die Anlieger einer rund 20 Meter langen Rampe neben der Brücke.

Die Kita Mauerspechte und das Quartiersmanagement Brunnenstraße haben sich in den letzten Monaten dafür stark gemacht, eine Lösung für den Parkplatz unter der Swinemünder Brücke zu finden. Die Zahl der täglich durchfahrenden Autos auf der schmalen Zufahrtsgasse neben der Swinemünder Straße hatte stark zugenommen. Vor allem für die Kinder der Kita Mauerspechte wurden die teilweise schnellen Fahrten gefährlich, weil der Fußweg in der schmalen Gasse eng ist. Auch für Patienten einer Arztpraxis in der Swinemünder Straße 64 ist das gefahrlose Verlassen des Hauses nun wieder möglich.

Den Poller hat der Eigentümer des Grundstücks unter der Brücke aufgestellt. Er hat auch eine Hälfte des zweiflügligen Zufahrtstor dauerhaft geschlossen sowie Schutt und Müll unter der Brücke entfernt. Auf diese Weise können Radfahrer und Fußgänger weiterhin die Abkürzung nutzen. Autofahrer müssen nun wie früher die öffentlichen Straßen nutzen.

Poller 2

27.03.2019

Text: Andrei Schnell, Foto: Frauke Witzler