Oktober 2020

Stufenweise stufenlos

Für mehr Barrierefreiheit im Brunnenviertel setzt sich das Aktionsfondsprojekt „Stufenweise stufenlos“ des Vereins Rollers e. V. ein. Mobile Rampen sollen für die bessere Zugänglichkeit von Ladengeschäften sorgen.

Die Aktion machte darauf aufmerksam, dass
es noch viel zu tun gibt, um Barrierefreiheit herzustellen. Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen müssen im Alltag noch immer mit Einschränkungen umgehen. Mit ein paar kleinen Hilfsmitteln wie z. B. den mobilen Rampen kann erst einmal Abhilfe geschaffen werden.

Der Verein Rollers e.V setzt seit 2015 das Projekt „Bewegungsfreiräume“ im Quartiersmanagement Brunnenviertel-Brunnenstraße um. In diesem Jahr hat sich das Projekt auch im Brunnenviertel-Ackerstraße umgesehen. Fast einhundert Läden im Kiez wurden auf ihre Zugänglichkeit für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen untersucht. Im Rahmen des Aktionsfondsprojekts konnten Läden, die Interesse haben sich kostenlos mit mobilen Rampen ausstatten lassen. Die Rampen werden im November verlegt. Mehr dazu erfahren Sie demnächst.

 

27.10.2020

Text: QM Team, Foto: Julia Schonlau

Jährliche Lesung aus den heiligen Schriften

Auch in diesem Jahr fand die Lesung aus den heiligen Schriften bei der Kapelle der Versöhnung statt. Im Rahmen der Aktionswoche des Projektes „Dialog in Mitte“ durften am 30.09.2020 um 18 Uhr die Veranstaltungs-teilnehmer*innen der Lesung verschiedener Textauszüge aus dem Tanach, dem Koran und dem Neuen Testament beiwohnen.

Das diesjährige Thema der Lesung umfasste „Kommen und Gehen“ – die jeweiligen Textstellen wurden im Prozess und durch Miteinbeziehung aller Akteur*Innen des Netzwerkes herausgearbeitet. Vorbereitet wurde die Lesung vom Interreligiösen Netzwerk Gesundbrunnen. In diesem Zusammenschluss kommen Mitglieder aus dem Familienzentrum Wattstraße, der evangelischen Versöhnungsgemeinde und der evangelischen Gemeinde am Humboldthain, sowie der katholischen Gemeinde St. Sebastian als auch der jüdischen Reformgemeinde Bet Haskala zusammen. Die QM-Teams Brunnenstraße und Ackerstraße haben sich gefreut, dass die Lesung auch dieses Jahr – unter Einhaltung aller Vorsichts- und Abstandsmaßnahmen im Rahmen der COVID-19 Pandemie – stattfinden konnte.
 

In Ergänzung zu unserem Bericht hat Joseph Lippok, unser Kiezreporter seine Eindrücke festgehalten:

Der Garten hinter der Kapelle der Versöhnung an einem späten Nachmittag. Menschen kommen hinein und finden Platz auf Bänken und Stühlen, im Schatten von Bäumen, zwischen blühenden Pflanzen. Der Anfang einer spirituellen Stunde der Versöhnungsgemeinde, im Rahmen des Interreligiösen Netzwerks Gesundbrunnen, unterstützt vom Quartiersmanagement Brunnenviertel.

Aus der belebten Stadt kommend hoffen sie, in dem kleinen Garten Ruhe zu finden. Sie treffen sich im hellen Licht, doch bald geht die Sonne unter, die Dunkelheit kommt und sie müssen das Licht selbst erschaffen. Durch ihre Worte und den Versuch, fremde Sprachen zu verstehen, wenn auch nicht direkt, dann doch zu erfühlen. Das ist die Kraft, die Vibration, die von diesem Treffen ausgeht. Die Nachbarschaft verbindet sich in unterschiedlichen Blicken auf Gott. Jeder, der an diesem Abend anwesend ist, kommt in den Zustand des Zuhörens und der Ruhe, er folgt in Gedanken dem Klang vertrauter und ungewohnter Texte, dem ewigem Kreis zwischen Geburt und Tod.

Es geht um die Heiligen Schriften, um den Austausch zwischen den Religionen, gelesen wird aus dem Koran, dem Tanach und dem Neuen Testament. Jeder Text wird von anderen Personen in Hebräisch, Arabisch, Türkisch und Deutsch vorgetragen. Man lauscht dem Klang der Botschaften und begleitet die Melodie der verschiedenen Stimmen. Eine Frau erhebt sich und liest aus dem Buch Hiob, ein Mann steht auf und liest in einer anderen Sprache. Das Trennende verliert an Bedeutung. Es ist nicht so, dass die Gemeinde auf einen Prediger wartet, sie liest selbst mit vielen Stimmen. Und so geht es Reih um, immer wieder steht jemand auf, geht nach vorn zu den Heiligen Schriften, liest aus ihnen vor und kehrt wieder zurück an seinen Platz, ein Kommen und Gehen. „Wir werden verwandelt“ heißt es in einem der Texte, während man den Worten lauscht, geht die Sonne langsam unter, alle rücken zusammen, so wird auch die Kapelle erleuchtet und scheint in den Garten hinein.

„Der Mensch welkt wie die Blumen“, heißt es in einem anderen Text. Die Umrisse der Bäume werden deutlicher, während die Lichter der Stadt erleuchten. Die schöne Stunde neigt sich dem Ende zu, die Besucher gehen. Nur gehen sie mit einer neuen Erfahrung aus dem Garten hinaus und lauschen ganz anders auf die Stimmen ihrer Stadt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12.10.2020

Text: QM Team, Joseph Lippok, Fotos: Sibel Olguner