Januar 2021

Der Interkulturelle Dialog geht weiter

Vor über zehn Jahren entstand durch ein Projekt des QM Brunnenviertel-Ackerstraße das Netzwerk „Der Interreligiöse Dialog“. Hier fanden sich Mitglieder unterschiedlicher Glaubens-
richtungen zusammen, um etwas Wertvolles zu bewirken: ein Austausch und Miteinander von Religionen. Mit diesem Ansatz wurde an der Nahtstelle zwischen Wedding und Berlin-Mitte im Brunnenviertel ein Dialog institutionalisiert, der bis heute besteht.

Die Akteur*innen sind die evangelische Kirchengemeinde am Humboldthain, die evangelische Versöhnungs-Gemeinde, die katholische Kirchengemeinde St. Sebastian, das Familienzentrum Wattstraße sowie die beiden QMs im Brunnenviertel.

Nach Auslaufen der Projektförderung besteht das Netzwerk weiterhin und trägt sich seit 2016 selbst. So wird nicht nur der interkulturelle Brunch regelmäßig organisiert, auch religiöse Feste werden zusammen gefeiert, wie z.B. das islamische Aşure-Fest oder der christliche Nikolaustag.

Eine Besonderheit stellt die Lesung aus den Heiligen Schriften dar. Dabei werden ausgewählte Textpassagen aus den jüdischen, christlichen und muslimischen Heiligen Schriften von muttersprachlich Lesenden jeweils in Hebräisch, Arabisch, Türkisch und Deutsch vorgetragen. In Vorbereitung auf diese Lesung, treffen sich Mitglieder aus dem Familienzentrum Wattstraße, aus den beiden evangelischen Gemeinden Am Humboldthain und Versöhnung, aus der katholischen Gemeinde St. Sebastian und der jüdischen Reformgemeinde Bet Haskala. Somit fängt die Arbeit an, es muss ein Thema gefunden werden, welches als Grundlage für die Lesung gilt. Dabei sucht sich der Interreligiöse Dialog unterschiedlichste Texte. Diese sollen außerordentlich vielseitig sein, sie umfassen zum Beispiel die „Rolle des Kindes in der Welt“, „Frieden“ und „Kommen und Gehen“. Jede*r aus den verschiedenen Gemeinden kann Vorschläge einbringen. Texte aus allen Religionen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Im Anschluss muss die Lesung Monate und Wochen geprobt werden, fast wie ein Theaterstück. Am Tag der Lesung selbst wirkt alles so spontan und authentisch, was man nur als Kompliment an die ganze Gemeinschaft sehen kann, denn sie vermitteln eine besondere Botschaft und jede*r Lesende bringt sich mit seiner eigenen religiösen Haltung ein. Einander zuhören und bescheiden sein. Hier passiert im Kleinen, was im Großen eine Rolle spielt.

Der hohe Stellenwert des Netzwerkes für die Beteiligten wird unter anderem daran deutlich, dass diese Veranstaltungen in den Arbeitsalltag der Beteiligten integriert sind. Durch die lange Zusammenarbeit ist es gelungen, im Stadtteil einen verbindlichen Rahmen für gemeinsame Veranstaltungen zu haben. Für all das steht „Der Interreligiöse Dialog“ und die Menschen, die ihn erhalten.

 

 

 

 

 

 

 

12.01.2021

Text: Joseph Lippok, Bilder: Julia Schonlau