Reportage von den Job-Talks

Jobtalks 2017 Ernst Reuter OberschuleObwohl die Schule mit Hausaufgaben und Klausuren viele Schüler in ihren Bann schlägt, ist es für Jugendliche dennoch wichtig, die Frage zu beantworten: Was kommt eigentlich nach der Schule? Dabei helfen die Job-Talks. Bei diesen Gesprächen über das Leben nach der Schule beantworten Auszubildende die Fragen der Schüler. Peer-to-Peer wird diese erfolgreiche Ansatz genannt. Am 12. Oktober lud die Ernst-Reuter-Schule ein zu einem Tag „Schüler fragen Azubis“.

Blaue Plakate hängen in den Fluren der Ernst-Reuer-Oberschule. Job-Talk am 12. Oktober ist darauf zu lesen. Vor allem junge Menschen der neunten und zehnten Klassen schieben sich durch die Flure vor der schuleigenen Bibliothek. Sie tragen „Laufzettel“, suchen den Raum, in dem ihr Unternehmen sich präsentiert. Immer vier Arbeitgeber gleichzeitig informieren im zweiten Stock in der Mediothek, im FB Deutsch, Raum 224 und Raum 225. Darunter sind öffentliche Arbeitgeber wie Polizei, Museen oder die Wasserbetriebe. Aber auch kleine und große private Ausbildungsbetriebe wie Logistiker, Industrieunternehmen oder Stromversorger sind dabei.

Pierburg

JobTalks Brunnenviertel 2017Bei Pierburg, einem Unternehmen aus dem Brunnenviertel, zum Beispiel sitzen um 11.40 etwa zehn Jungs im Kreis um Ausbilder Daniel Selchow und Azubi Tarik Dogan. Tarik ist im vierten Lehrjahr. Große Worte über selbstverständliche Dinge zu machen, das ist nicht seine Sache. Zu spüren ist aber, dass er gern bei dem Autozulieferer Pierburg lernt. Mitgerbacht hat er einen Truck aus Metall. Das ist sein Lehrstück, weil er an dem beweisen konnte, dass er alle Bearbeitungstechniken gut beherrscht. Sein Ausbilder hat noch einen Benzinmotor mit einer Drosselklappe mitgebracht. Mehrere 100.000 Stück stellt Pierburg davon pro Jahr her.

Auch die Schüler wollen nicht viel „Gerede“ hören. Sie interessiert – und zwar in dieser Reihenfolge: Wie hoch ist das Gehalt eines Azubis? Welchen Abschluß und welche Noten werden für einen Industriemechaniker gebraucht? Wieviele bewerben sich? Wie lang ist der Arbeitstag? Immerhin, selbst für einfache Tätigkeiten zahlt Pierburg 2.000 Euro brutto (das sind etwa 1.300 Euro netto). Wer eine Ausbildung über dreieinhalb Jahre schafft, der kann als Berufseinsteiger mit 2.500 Euro butto rechnen. Übernommen wird, wer die Ausbildung ordentlich zu Ende bringt.

Berliner Wasserbetriebe

Um 12.20 Uhr stellen sich die Berliner Wasserbetrieben vor. Hier sitzt der Ausbilder schweigend daneben, während seine beiden Azubis gekonnt einen Vortrag halten. Elektroniker lernt der eine, der andere Anlagenmechaniker. Das Ausbildungsgehalt ist ähnlich wie bei Pierburg, aber nach der Lehre wird in beiden Berufen mehr verdient.

Die Schülerinnen – die Mädchen sind in der Überhahl in diesem Raum - sind in der neunten Klasse. Für sie ist das Berufsleben offenbar noch weit weg. Sie haben erst mal keine Fragen nach dem Vortrag. Dafür stellt eine Mitarbeiterin von Pfefferwerk, dem Organisator des JobTalks, einige Fragen. Werden bei den Berliner Wasserbetrieben bei technischen Berufen Bewerbungen von Mädchen bevorzugt? Kann man ein Praktikum machen? Ist man während der Ausbildung allein in Berlin unterwegs oder stets im Schlepptau des Ausbilders? Im nächsten Jahr, wenn die eigenen Berufswünsche konkreter und dringender sind, werden sie möglicherweise eben diese Fragen stellen.

Gefördert vom Quartiersmanagement

Wenn es denn ein vergleichbares Projekt im nächsten Jahr wieder gibt. Denn die Job-Talks sind ein Projekt, das bereits über mehrere Jahre hinweg durch den Projektfonds finanziert wurde. Träger ist die Pfefferwerk gGmbH. Die Finanzierung erfolgt über das Quartiersmanagement mit Mitteln der Sozialen Stadt.

Rückblicke

Von vorhergehenden JobTalks gibt es ebenfalls Reportagen zu lesen. Hier geht es zum Bericht aus dem Jahr 2014 und 2016.

Job-Talks 2017 Brunnenviertel

16.10.2017

Text und Fotos: Andrei Schnell