Girls in motion - steps & beats zum 2. Weltmädchentag

Jugendliche heute verbringen ihre Freizeit gerne vor dem Fernseher, dem Computer oder in der Disko, wie Studien ergaben. Musik machen steht da erst ganz hinten. Bei den Besucherinnen des teeny Musik Treffs sieht das anders aus. Sie kommen ein oder zweimal in der Woche in die ev. Kirchengemeinde am Humboldthain, um ein Instrument zu lernen oder zu spielen oder zu singen. Im Angebot sind Schlagzeug, E-Bass, E-Gitarre, Keyboards oder Perkussion. Es gibt auch vier Bands, die zusammen proben und auch bei Veranstaltungen auftreten. Zwei davon suchen übrigens noch Verstärkung: Zwei Schlagzeugerinnen, eine Gitarristin und eine Sängerin bzw. einen Sänger ab 16 Jahren, denn auch Jungs können mitmachen.

 

In erster Linie ist es aber ein Angebot für Mädchen. Das gibt es seit 1987, Träger ist die ev. Kirchengemeinde am Humboldthain. Seit 1999 leitet Karin Perk das Projekt, ein Kooperationsprojekt des Bezirksamtes Mitte und der Musikschule „Fanny Hensel“, die eine Musikerin stellt, die die Mädchen unterrichtet. „Sie sollen sich hier wie zu Hause fühlen, es als ihren Raum begreifen“, erläutert Karin Perk das Konzept. „Zusammen in einer Gruppe lernen sie die Instrumente spielen. So haben sich unsere vier Bands zusammengefunden.“ Natürlich können interessierte Mädchen kommen und zuhören und - wenn sie wollen und in die Gruppen passen - auch mitspielen. „Das klappt ganz gut. Neulich hat ein Mädchen eine Freundin mitgebracht und die saß dann auch gleich am Schlagzeug“, erzählt Karin Perk.

 

Die Mädchen lernen und spielen nicht nur mit den Instrumenten, sie schreiben auch eigene Texte und Melodien. So wie die Band „Think loud“. Die 13-jährige Linda gehört seit dem Sommer dazu. „Eine Freundin aus meiner Klasse erzählte mir, dass sie eine Sängerin suchen. Ich hatte schon in meiner alten Schule gesungen und auch privat Gesangsunterricht.“ Lange haben sie „Rolling in the deep“ von Adele geübt, denn sie bisher haben sie Songs nachgespielt. Nun versuchen sie sich an einem eigenen Stück. „Die erste Strophe ist schon fertig“, sagt sie stolz. Die Gymnasiastin würde auch gerne auftreten, „aber ich denke, wir sind noch nicht so weit“, meint sie selbstkritisch, „da müssten wir schon mehr Lieder können.“ Ob sie später mal was mit Musik machen würde, weiß sie noch nicht, vorstellbar wäre es aber schon.

 

Gemeinsam proben und eigene Ideen umsetzen, anderen zuhören und aufeinander zugehen, das ist auch Teil des Konzepts. Obwohl es nicht immer ganz einfach ist, denn die Mädchen gehen zur Schule oder machen eine Ausbildung, so dass das Hobby manchmal etwas zu kurz kommt. Aber sie lernen, es funktioniert nur gut, wenn sie diszipliniert und regelmäßig üben. Und wenn es ihnen gefällt, bleiben sie auch manchmal jahrelang. Bis 21 Jahren können sie den teeny Musik treff besuchen, einige machen dann woanders weiter Musik. „Einige kommen auch, weil sie hier andere Jugendlichen treffen und sich austauschen können“, sagt Karin Perk. „Wir machen nicht nur zusammen Musik, wir kochen auch mal gemeinsam oder veranstalten eine Filmnacht.“

 

Die 16-jährige Kübra spielt Schlagzeug. Auch sie kam durch eine Freundin zum Musik treff. „Ich hatte vorher kein Instrument gespielt. Aber als ich herkam, guckte ich mir das Schlagzeug an und es guckte mich an und da war es passiert. Üben kann ich zu Hause nicht, das geht ja nur hier. Meine Freunde finden es cool, dass ich Schlagzeug spiele.“ Gerade haben sie mit einem neuen Song angefangen. Sie übt mit Karin Perk den Rhythmus. Tam, tata, tam, tata, tata … Hände, Füße, alles muss perfekt ineinandergreifen. Nach einer halben Stunde geht es schon ganz gut. Die gleichaltrige Christina versucht inzwischen am Keyboard. Sie spielt Gitarre, hat auch ein Keyboard zu Hause und bereits in einer Band gespielt. Aus dem Internet hat sie sich ein Video herausgesucht und versucht jetzt, eigene Ideen einzuarbeiten.

 

Seit einem Jahr spielt Katharina in der Band „Laughing out loud“ Gitarre und singt auch manchmal. Am liebsten wäre es der 17-Jährigen, wenn sie beides zusammen machen könnte. „Wir haben noch keine eigenen Sachen. Gerade covern wir „Under“ von Alex Hepburn. Aber ich würde schon mal probieren, was Eigenes zu schreiben.“
Dazu hätte sie in den Herbstferien Gelegenheit. Vom 8. bis 10. Oktober gibt es im teeny Musik treff einen Workshop "girls in motion - steps & beats zum 2. Weltmädchentag". Geprobt wird für einen Auftritt am 11. Oktober, dem Weltmädchentag, im Rathaus Mitte. Dafür werden noch Mädchen gesucht, die mitmachen. Nach den Herbstferien können sich dann auch Jungs als Hip Hop-Tänzer versuchen, jeden Dienstag von 16.30 bis 18 Uhr.

Zum kostenlosen Angebot des Treffs gehören auch Musiktheater und Workshops, die in die Technik einführen, um Musik am Computer zu machen, ein Projekt, das vom Quartiersmanagement Brunnenviertel-Ackerstraße gefördert wurde. Außerdem haben sie einige Musik-CDs und Videos veröffentlicht. Wer also Lust bekommen hat und zwischen 9 und 21 Jahr alt ist, kann gerne in der Gustav-Meyer-Allee 2 vorbeischauen.

Öffnungszeiten
Dienstag 15.30 - 19.30 Uhr
Donnerstag 15.30 - 21.00 Uhr
Freitag 15.00 - 19.00 Uhr

 

Der 2. Weltmädchentag im Rathaus Berlin Mitte

Der Weltmädchentag wurde 2011 von der Kinderhilfsorganisation PLAN ins Leben gerufen. Am 11. Oktober soll die Welt auf Menschenrechtsverletzungen an Mädchen aufmerksam gemacht werden und sich für menschenwürdige Lebensbedingungen einsetzen. 2012 thematisierten Mädchen aus Berlin Mitte die Genitalverstümmelung an Mädchen und die subtile Gewalt in Familien gegen Mädchen und erreichten damit 200 Besucherinnen und Besucher im Rathaus Berlin Mitte.
„Was bildet uns?“ ist die zentrale Frage, die Mädchen aus Berlin Mitte dieses Jahr am 2. Weltmädchentag mit der Politik diskutieren wollen. Gute Bildung für alle ist ihr Anliegen und ihr Ziel. Mädchen machen aufmerksam auf die Bedeutung der außerschulischen Bildung für Mädchen. Zugesagt haben Dr. Eva Högl, SPD, MdB, Florian Schwanhäußer, CDU, Vorsitzender des JHA Berlin Mitte, Ulrike Pohl, Piraten. Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke sind angefragt.

Das Kulturprogramm bietet live Musik von der Rapperin Sookee, die Performance „Girls in motion – steps & beats zum Weltmädchentag“, Tanzanimation „One Billion Rising“, die Ausstellungen: „Stufen der Mädchenbildung“, Malala Bilderbücher, „7 wichtige Frauen aus Berlin“, „Bewegte Vorbilder“ und Infostände.

Von 14 bis 16 Uhr sind alle interessierten Mädchen und Jungen, Frauen und Männer eingeladen, ab 16 Uhr Party für Mädchen.
Der 2. Weltmädchentag im Rathaus Berlin Mitte ist eine Veranstaltung der AG Mädchen und junge Frauen in Berlin Mitte.

ReF